Nachhaltigkeit, oder alles für die Tonne?

Eines der Themen, das mich sehr beschäftigt, ist die Nachhaltigkeit der Lebensmittelverwertung. Durch meine Berufsausbildung zum Koch und die Weiterbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt der Gastronomie, die ich derzeit absolviere, habe ich zu diesem Thema viele Berührungspunkte bzw. Einblicke.

Auch ein sozialer Aspekt ist nicht von der Hand zu weisen, dieser ist global gesehen unsere Überflussgesellschaft, die Menschen in der dritten Welt qualvoll verhungern lässt, aber auch schon auf regionaler Ebene, mit Familien, die nicht genug Geld aufbringen können um ihre Kinder vernünftig zu Ernähren.

Von den Obdachlosen mal ganz zu schweigen.
Gleichzeitig wird in vielen Gastronomischen Betrieben ein hoher Anteil an Lebensmitteln weggeschmissen, das hat zumeist mehrere Faktoren. Einer dieser Faktoren ist beispielsweise, dass bei Veranstaltungen Mengen der zubereiteten Speisen so kalkuliert werden, dass jeder der Gäste eine bestimmte Menge zur Verfügung hat.

In vielen Fällen ist es so, dass die Gäste nicht die Mengen verspeisen, die kalkuliert waren, oder es treffen schlicht und ergreifend einfach weniger Gäste als geplant war ein.
Das führt dazu, dass große Mengen Speisen die schon einmal erhitzt / gegart und zeitweise warm gehalten wurden übrig bleiben. Die Frage, die sich stellt,  ist nun: Wie geht man nun mit diesen Lebensmitteln um?

Ein weiterer Verkauf ist durch die Standzeiten dann schon unmöglich geworden, da es gegen geltende Hygienevorschriften verstößt, Speisen länger als 2 Stunden warm zu halten. Es gibt aber Speisen, bei denen diese Standzeit völlig unproblematisch ist, Schmorbraten zum Beispiel oder Gulasch.
Ein weiterer Grund, der zu hohen Speiseabfallquoten führt, ist dass die Mindesthaltbarkeitsdaten abgelaufen sind. In vielen Fällen ist dort das Lebensmittel aber noch lange nicht verdorben und durchaus noch genießbar.
Die Idee liegt nahe, die Lebensmittel an eine der ortsansässigen Tafeln zu spenden, die Speisen an Bedürftige ausgeben. Dies ist in diesen Fällen jedoch leider nicht möglich, denn in den Grundsätzen der Tafel steht: „Die Tafeln sammeln überschüssige Lebensmittel, die nach den gesetzlichen Bestimmungen noch verwertbar sind, und geben diese an Bedürftige ab.”
Grundsätzlich ist das gut und richtig, allerdings wären nach den gesetzlichen Bestimmungen diese Lebensmittel bereits nicht mehr verwertbar. Das zwingt die Betriebe dazu, eigentlich noch einwandfreie Lebensmittel in dem Müll zu schmeißen. Dramatisch!
Eine Lockerung der gesetzlichen Bestimmungen sehe ich allerdings auch als schwierig an, grundsätzlich ist es gut und richtig das wir hohe Hygienevorschriften haben, die verbindlich für alle gelten. Auf der anderen Seite führt es immer wieder zu Situationen, in denen Lebensmittel kiloweise dem Müll zugeführt werden. Das gilt auch für Lebensmittelmärkte / Discounter etc.

Ich plädiere also dafür, dass für diese Lebensmittel Ausgabestellen eingerichtet werden, in denen diese Speisen unentgeltlich abgegeben werden können. Allerdings mit deutlichen Hinweisen auf abgelaufene Mindesthaltbarkeitsdaten oder Standzeiten. Die Lebensmittel müssten dann natürlich beim Eingang, aber auch Stichprobenartig während der Ausgabe kontrolliert werden und bereits verdorbene Lebensmittel aussortiert werden. Die Bürger wären sich des Risikos bewusst und könnten selbst einschätzen, welche Lebensmittel sie noch weiter verwerten mögen oder eben auch nicht mehr.
Die rechtlichen Rahmenbedingungen müssten hier in einigen Punkten allerdings gelockert werden, bzw. es müssten Sonderregelungen getroffen werden.

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