Gedanken zu Pegida

Seit Tagen wird nun schon sehr intensiv über Pegida berichtet, ich möchte allerdings ein paar Gedanken dazu niederschreiben, weil sie mich mehr und mehr bedrücken.

Dem objektiven Betrachter dieser Demonstrationen ist schnell klar, dass weder eine Islamisierung bevorsteht, noch dass wir ohne Migranten weder wirtschaftlich noch kulturell erfolgreich sein könnten.

Daher ist die Frage, die viele Menschen derzeit beschäftigt: Wie kommt es eigentlich dazu, dass so viele bereit sind, auf die Straße zu gehen gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes?

Aus meiner Sicht hat das vielschichtige Ursachen. Einerseits finden sich klar rechtsradikale Personen, deren üble Absichten hinlänglich bekannt sein dürften. Zum anderen finden sich aber auch viele „Wutbürger“ unter den Demonstranten, die von sich selbst behaupten werden, sie seien keinesfalls „rechts“.

Was treibt diese Menschen nun also an?

Es scheint derzeit ganz allgemein eine tiefe Enttäuschung gegenüber der Politik zu geben. Den Politikern wird grundsätzlich misstraut, ebenso wie der Presse (Lügenpresse).

Diese Wut kann ich in großen Teilen sogar nachvollziehen. Für Lügen, Korruption und Intrigen in der Politik gibt es ja reichlich Beispiele, wie derzeit die Edathy-Affäre, NSU, Massenüberwachung der Bevölkerung und deren Leugnung, TTIP-Geheimverhandlungen, Gerhard Schröder der nach seiner Kanzlerzeit bei Gasprom arbeitet etc., diese Liste ließe sich wohl ziemlich weit fortführen.

Zum anderen dürfte wohl aber auch der Mangel an Perspektiven und Existenzängste der Menschen ein Motivator sein. Auch diese Ängste sind in großen Teilen nachvollziehbar. Das System der Rente ist faktisch gescheitert und bei anhaltender Globalisierung und Technisierung werden auch zukünftig dramatisch viele Arbeitsplätze wegfallen. Schlicht weil sie nicht mehr gebraucht werden oder zu teuer sind. Die Schere zwischen Arm und Reich wird immer größer, und die Kinderarmut in Deutschland ist chronisch auf Höchstständen. Zahlreiche Kommunen sind schon heute restlos pleite.

Auch gewisse Medien tragen in meinen Augen daran Mitschuld, dass solche Demonstrationen möglich werden. So wurde ja beispielsweise in der Bildzeitung und ähnlichen Blättern schon häufig gegen Islamisierung gewettert (z.B. die Berichterstattung zur Schariapolizei) und zudem Unwahrheiten verbreitet (z.B. das Verbot des Weihnachtsmarktes in Berlin).

Aus diesen vielschichtigen Gründen (Angst, Armut, Verblendung, Enttäuschung, Abstiegsängste) ist es bei Menschen, von denen scheinbar viele einen eher geringen Bildungshintergrund und ein noch geringeres politisches Grundverständnis besitzen, scheinbar sehr leicht, sie in eine rassistische und faschistische Richtung zu bewegen. Hinzu kommt wohl das Gemeinschaftsgefüge („Wir sind das Volk“).

Für mich ist es kaum erträglich, Bilder und Interviews der Protestierenden zu sehen. Die Stimmung die damals zum dritten Reich führte, muss eine ähnliche gewesen sein.

An dieser Stelle muss ich aber auch an uns und die Politik, appellieren! Wir müssen die Nöte der Menschen ernst nehmen und dürfen sie nicht einfach abtun. Denn die aktuelle Stimmung ergibt sich aus dem Versagen der Politik, den Menschen ihre Ängste zu nehmen. Sie ergibt sich auch aus der Weigerung der Politik, Probleme einzugestehen und die Ursachen zu verändern. Letztlich ergibt sie sich auch aus der Antwortlosigkeit auf Probleme, die auf uns zukommen werden, wie beispielsweise die drohende Arbeitslosigkeit ganzer Arbeiterschichten im Zuge der immer schneller werdenden Technisierung.

Mir ist klar, dass es auf komplexe Probleme keine einfache Antwort geben kann, aber eine Schockstarre, in der wir uns scheinbar befinden, kann und wird sicher nicht zielführend sein.

Demokratische Parteien müssen es schaffen auch diese Menschen aufzufangen, dies wird aber weder funktionieren, indem man sich rechts von der AfD positioniert (Beispiel CSU) noch in dem Versuch, Probleme totzuschweigen. Wichtig ist die Investition in Bildung (langfristig) und die Fähigkeit den Menschen Perspektiven aufzuzeigen (kurzfristig). Wenn wir es nicht schaffen, werden es früher oder später die Nationalsozialisten schaffen. Wie diese Perspektiven dann aussehen, konnten wir in unserer Geschichte schon einmal erleben.

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